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05.12.2009

Minarett-Streit: Ankara verschärft den Ton

Türkischer Außenminister befürchtet „Religionskrieg“
 

Minarett-Streit: Ankara verschärft den Ton

Türkischer Außenminister befürchtet „Religionskrieg“

In der Kontroverse um das Minarett-Verbot in der Schweiz hat sich erneut ein Mitglied der türkischen Regierung zu Wort gemeldet, und zwar in Person von Außenminister Ahmet Davutoglu. Der sieht nach dem Referendum der Eidgenossen die ernste Gefahr „globaler Krisen“ und „globaler Zusammenstöße“, die das Ausmaß der „Religionskriege des Mittelalters“ erreichen könnten. Gleichzeitig malt Davutoglu das Schreckgespenst „brennender Moscheen“ in Europa an die Wand, die jetzt nicht mehr sicher seien.

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Allmählich muß man sich fragen, ob die Mitglieder der türkischen Regierung noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind. Zumindest wenn man mitteleuropäische Maßstäbe anlegt. Erst fabuliert Ministerpräsident Recep T. Erdogan in Reaktion auf den Ausgang der Schweizer Minarett-Abstimmung von einer „zunehmenden rassistischen und faschistischen Haltung in Europa“. Zeitgleich poltert der türkische Staatspräsident Abdullah Gül, die demokratische Entscheidung der Schweizer sei eine „Schande“ für die Alpenrepublik und Ausdruck einer wachsenden Islamfeindlichkeit in ganz Europa. Einen Tag später fordert Europaminister Egemen Bagis reiche Muslime dazu auf, ihr Geld von Schweizer Konten in die Türkei zu transferieren, um das kleine Land finanziell auszubluten. Und nun Außenminister Davutoglu. Der besitzt sogar noch die Frechheit, die „Hilfe“ der Türkei anzubieten, um die sich anbahnende internationale Krise abzumildern. Kaum zu glauben: Erst geriert sich Ankara im Minarett-Streit als Scharfmacher und gießt ordentlich Öl ins Feuer, um dann als Feuerwehr auf den Plan zu treten.

Die Taktik ist klar: Die Türkei will sich als „Brücke zur islamischen Welt“ in Brüssel anbiedern und hofft wohl, dadurch die schleppenden EU-Beitrittsverhandlungen beschleunigen zu können. Der Schuß dürfte aber nach hinten losgehen. Denn je öfter sich die türkische Regierung mit öffentlichen Äußerungen dieser Art selbst diskreditiert, desto größer wird der Widerstand der Bürger Europas gegen eine Mitgliedschaft des kleinasiatischen Landes in der Europäischen Union. Und Befürworter einer Türkei-Aufnahme haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Position zu rechtfertigen. Auf dem Weg nach Europa stellt sich Ankara also selbst ein Bein. Aber das soll uns nur recht sein.


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